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Flexible Skipasspreise - das Modell der Zukunft?

Auf Skiern stand ich schon als Kind und kann es seitdem jeden Winter aufs Neue kaum erwarten wieder auf die Piste zu kommen. Deshalb ist es umso schöner, dass ich nach meinem Studium in Medien und Kommunikation einen Job als Redakteurin bei Skigebiete-Test gefunden habe, in dem sich alles um mein Lieblings-Hobby dreht. Wenn ihr Fragen zu mir oder rund um das größte Wintersportportal... Mehr erfahren

aktualisiert am Apr 24, 2019

Immer mehr Schweizer Skigebiete setzen auf ein dynamisches Preismodell. Je nach Saison, Buchungszeitpunkt, Wochentag oder Wetter können die Skipasspreise so deutlich variieren. Wir stellen dir die verschiedenen Preis-Systeme, die Skigebiete wie Andermatt-Sedrun, Zermatt oder St. Moritz verwenden, einmal genauer vor.

Dynamic Pricing in der Schweiz

In Andermatt-Sedrun ist der Skipasspreis von vielen Faktoren abhängig.
© Andermatt-Sedrun Sport AG In Andermatt-Sedrun ist der Skipasspreis von vielen Faktoren abhängig.

Viele Skigebiete in der Schweiz hatten in den letzten Jahren mit sinkenden Gästezahlen und steigenden Kosten für die Infrastruktur zu kämpfen. Um diesem Trend entgegen zu wirken, sind einige Skigebiete auf flexible Skipasspreise umgestiegen. Das Dynamic Pricing wird dabei in unterschiedlichen Varianten genutzt – von wetterabhängigen Tageskarten, über Frühbucher-Deals bis hin zu Tiefstpreisen für Saisonkarten, die zum Beispiel in Saas Fee mit Crowdfunding finanziert werden.

Das Ziel bleibt bei allen Maßnahmen gleich: Es sollen wieder mehr Gäste zum Skifahren in die Schweiz kommen, die Skigebiete auch in nachfrageschwachen Perioden besser ausgelastet sein und die Einnahmen gesteigert werden. Dabei passen sich die Skigebiete auch dem Trend zum Online-Kauf an.

Abhängig vom Wetter

In Belalp gilt: Je schlechter die Wetterprognose, desto günstiger der Skipass.
© Switzerland Tourism/swiss-image.ch/Photopress-Martin Ruetschi In Belalp gilt: Je schlechter die Wetterprognose, desto günstiger der Skipass.

Die Skigebiete Pizol und Belalp arbeiten mit wetterabhängigen Preisen. Bei „schlechtem“ Wetter mit Sturm oder Schneefall können Wintersportler bis zu 50% sparen. Voraussetzung ist, dass die Tickets mindestens sieben Tage im Voraus online gekauft werden. Die Preise richten sich nach der Wetterprognose. Ist am Skitag das Wetter schlechter als vorhergesagt, hat der Skifahrer Pech gehabt. Möglich ist aber natürlich auch das Gegenteil: Du hast den günstigen Preis für einen Schlechtwetter-Tag gezahlt und am Ende trotzdem einen perfekten Sonnentag erwischt.

Wer seinen Skipass am gleichen Tag an der Kasse kauft, zahlt den regulären Fixpreis. Der Skipass wird also auch für Kurzentschlossene nicht teurer, sie können lediglich die Rabatte nicht nutzen. Generell gilt: Wer online bucht, zahlt immer den günstigeren Tarif.

Je früher, desto günstiger

In Arosa Lenzerheide kannst du beim First Minute Deal sparen.
© Ferienregion Lenzerheide/Fredheim Fotos In Arosa Lenzerheide kannst du beim First Minute Deal sparen.

Wer im Skigebiet Arosa Lenzerheide seinen Skipass vor Ort an der Kasse kauft, zahlt über die ganze Saison den gleichen Preis. Wer aber vorab online bucht, kann richtig sparen. Mit den First Minute Deals, die für Tickets von 4 Stunden bis 14 Tage verfügbar sind, erhalten Gäste online je nach Wochentag oder Saison verschiedene Rabatte. Je mehr Tickets für einen Tag bereits verkauft worden sind, desto kleiner ist der Rabatt. Doch die Anzahl der vergünstigten Skipässe ist begrenzt. Wie viele Tickets für einen bestimmten Tag noch zum niedrigsten Preis verfügbar sind, kannst du im Online-Ticketshop sehen.

Ähnlich funktioniert auch das Preissystem in Laax. Hier können über die App Inside Laax vorab günstigere Skipässe erworben werden, als vor Ort an der Kasse.

Komplett dynamisch

Im Online-Ticketshop der SkiArena kannst du die Preisentwicklung für die nächsten Wochen sehen. Diese kann sich aber durchaus verändern.
© SkiArena Andermatt-Sedrun Im Online-Ticketshop der SkiArena kannst du die Preisentwicklung für die nächsten Wochen sehen. Diese kann sich aber durchaus verändern.

Tageskarten für 10 Franken in Andermatt-Sedrun

In der SkiArena Andermatt-Sedrun gibt es seit dem Winter 2017/18, außer für Jahresabonnements und Schlittelpässe, gar keine festen Preise mehr. Die Skipasspreise gestalten sich hier komplett dynamisch und variieren je nach Saison, Buchungsdatum, Wetter und Wochentag. Im Online-Ticketshop können sich die Gäste die Preisentwicklung für die nächsten Wochen ansehen und sich die günstigsten Skitage aussuchen. Tagestickets gibt es für Erwachsene ab 39 Franken.

Ein besonderes Schnäppchen machen Wintersportler an zehn Tagen in der Saison, denn an denen (jeweils mittwochs) kostet die Tageskarte nur 10 Franken. Während der Hauptsaison können die Tickets aber wesentlich teurer werden.

Snow-Deal: Wer früh bucht, profitiert! | 01:48

Snow Deal im Engadin St. Moritz

Auch die Skigebiete rund um St. Moriz im Oberengadin nutzen seit der Saison 2018/19 ein dynamisches Preismodell. Mit dem „Snow Deal“ können vor allem Frühbucher sparen. Wer seinen Skipass mindestens 15 Tage im Voraus kauft, erhält sogar 30% Rabatt. Selbst wer nur am Vortag bucht, kann günstiger fahren, als Wintersportler, die ihr Ticket erst an der Tageskasse kaufen. Auf diese kommen nämlich vor allem in der Hochsaison deutlich höhere Preise als in den Vorjahren zu.

Günstigere Skipässe bei schlechtem Wetter gibt es hier nicht. Stattdessen ist die Nachfrage für den Preis entscheidend. Diese setzt sich aus Analysen der vergangenen Jahre und der tatsächlichen, aktuellen Nachfrage zusammen. Je mehr Gäste an einem Tag auf die Piste möchten, desto teurer ist der Skipass.

Auch in Zermatt wurde zur Saison 2018/19 Dynamic Pricing eingeführt.
© Zermatt Bergbahnen Auch in Zermatt wurde zur Saison 2018/19 Dynamic Pricing eingeführt.

Dynamische Preise in Zermatt

In Zermatt wurde ebenfalls zur Saison 2018/19 ein dynamisches Preismanagement eingeführt. Die Preise richten sich nun nach drei Saisonzeiten. Während die Tickets in der Grundsaison etwa auf dem Preisniveau des Vorjahres bleiben, sind die Skipässe in der Vorsaison günstiger und in der Hauptsaison teurer. Innerhalb dieser Zeiten können sich die Preise aber wöchentlich ändern. Auch hier gilt: Wer früher bucht, zahlt weniger. Zusätzlich gibt es beim Online-Kauf 5% Rabatt.

Vorteile: Frühbucher profitieren

Mit dem Snow Deal der Oberengadiner Bergbahnen sparen vor allem Frühbucher.
© ENGADIN St. Moritz/swiss-image.ch/Gian Andri Giovanoli Mit dem Snow Deal der Oberengadiner Bergbahnen sparen vor allem Frühbucher.

Da der Skiurlaub, vor allem mit Familie, oft im Voraus geplant wird, können Wintersportler ihre Skipässe – wie die Unterkunft – vorab buchen und dabei vom Frühbucher-Rabatt profitieren. In den Online-Ticketshops sind die Skipässe dadurch manchmal sogar billiger als in den Vorjahren. In der Hauptsaison können die Preise zwar steigen, höhere Preise zu den Ferienzeiten gibt es aber auch in vielen Skigebieten mit festen Preisen.

Durch die frühzeitige Planung haben auch Skigebiete die Möglichkeit sich besser auf die Gäste einzustellen und z.B. ausreichend Ski-Busse einzusetzen. Außerdem werden die Skigebiete auch an schwächeren Tagen besser ausgelastet und Skifahrer, für die es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, belohnt.

Nachteile: Kurzentschlossene zahlen mehr

Wer jedoch spontan für einen Tag auf die Piste möchte, und das auch noch zur Ferienzeit, zahlt ihn Skigebieten mit komplett dynamischem System deutlich mehr als zuvor bei den Fixpreisen. Beispielsweise musste man bei den Oberengadiner Bergbahnen während der Hochsaison an der Kasse teilweise mehr als 100 CHF (also rund 90 EUR) für ein Tagesticket zahlen. Einen Maximalpreis gibt es bei den dynamischen Modellen nämlich nicht.

Ein weiteres Problem ist die fehlende Transparenz und Unübersichtlichkeit für die Kunden. Welche Faktoren spielen bei der Preisberechnung eine Rolle? Welches Skigebiet nutzt welches System? Wie viel zahle ich am Ende tatsächlich für meinen Skipass? Darüber hinaus gibt es sicher auch weniger internetaffine Wintersportler, für die eine Online-Buchung eine gewisse Herausforderung darstellt. Auch ein Preisvergleich zwischen verschiedenen Skigebieten wird ohne feste Preise erheblich schwieriger.

Wer früh und für mehrere Tage bucht, profitiert

Immer mehr Schweizer Skigebiete setzen auf dynamische Skipasspreise.
© ENGADIN St. Moritz/swiss-image.ch/Gian Andri Giovanoli Immer mehr Schweizer Skigebiete setzen auf dynamische Skipasspreise.

Entscheidend für Skifahrer ist es, sich vorab über die Preise zu informieren, damit es vor Ort nicht zu bösen Überraschungen kommt. Die Preise stehen nämlich bereits am Vortag fest. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte seinen Skipass vorab online buchen. Denn über die Webshops der Skigebiete erhältst du die Tickets immer etwas günstiger. Am meisten profitiert, wer früh und für mehrere Tage bucht.

Neu ist die Idee eines dynamischen Preismanagements, das sich nach Angebot und Nachfrage oder dem Kaufzeitpunkt richtet, allerdings nicht. Vor allem im Bereich von Flugreisen oder Hotelbuchungen ist dieses System schon lange gängige Praxis. Ob Dynamic Pricing langfristig auch bei Skipasspreisen erfolgreich ist und tatsächlich mehr Wintersportler auf die Pisten lockt, wird sich aber wohl erst in den nächsten Jahren zeigen. Ebenso bleibt es spannend, ob sich auch andere Länder dem Schweizer Trend anschließen und wir in Zukunft auch in Österreich oder Deutschland dynamische Skipasspreise erwarten können.

Was hältst du von den dynamischen Preismodellen? Mach mit bei unserer Umfrage!

Video

Snow-Deal: Wer früh bucht, profitiert! | 01:48
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