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Ein schneereicher und langer Winter - aber auch 46 Lawinentote

Als Redakteurin bei Skigebiete-Test habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht: Seit September 2016 bin ich leitend für den Content auf Deutschlands größtem Wintersportportal zuständig. Die Berge faszinieren mich seit jeher und auf Skiern bin ich zum ersten Mal im Kindergarten gestanden. Absolut infiziert bin ich zudem mit dem Weltcup-Virus und verpasse im Winter nur selten Alpin-... Mehr erfahren

aktualisiert am Jun 2, 2018

Ein langer Winter mit überdurchschnittlich viel Schnee in den Alpen liegt hinter uns. Von November bis nach Ostern herrschten nahezu durchgängig winterliche Verhältnisse und ließen die Skigebietsbetreiber über Rekordergebnisse jubeln. Der Winter hatte aber auch seine Schattenseiten, wie sich an der hohen Anzahl von 46 Lawinentoten im deutschsprachigen Raum zeigte. 

Zusammen mit DSV aktiv haben wir uns die Wetterdaten des vergangenen Winters 2017/18 noch einmal genauer angesehen und ein Resümee im Hinblick auf Wetterverlauf, Schneelage und Lawinengefahr in den Alpenländern gezogen.

Niederschlag: Überdurchschnittlich viel Schnee

Der Winter 2017/2018 war im gesamten Alpenraum außergewöhnlich schneereich. Dabei setzte sich die regen- und schneereiche Witterung des Novembers auch im Dezember und Januar fort. Land unter hieß es da sogar zeitweise in vielen Skiorten (>> zur Fotostrecke vom massiven Neuschnee im Januar)

In Österreich sorgten 25 Prozent mehr Regen und Schnee für einen der vier niederschlagsreichsten Winter der letzten 30 Jahre. Vor allem im Großteil des Berglands hat es sehr viel geregnet und geschneit. In vielen Regionen des österreichischen Berglands lagen auch die Schneedeckentage und die Neuschneesummen deutlich über dem Mittel. So war zum Beispiel die Neuschneesumme im Gebiet vom Arlberg bis zum Hochschwab-Gebiet um rund 50 bis 100 Prozent über den Werten eines durchschnittlichen Winters.

Auch in der Schweiz brachte der Winter reichlich Schnee. Die winterlichen Niederschlagsmengen erreichten verbreitet 130 bis 175 Prozent der Norm (1981-2010). Im Wallis und in vielen Gebieten Graubündens stiegen die Werte regional auf über 200 Prozent. An der Alpensüdseite wurden 100 bis 150 Prozent, lokal auch um 180 Prozent der Norm registriert.

In Deutschland überstiegen die Niederschläge des vergangenen Winters bundesweit mit insgesamt rund 195 Litern pro Quadratmeter (l/m²) das Soll von 181 l/m² um neun Prozent. Im Dezember und Februar fielen die Niederschläge teilweise bis ins Flachland als Schnee, der jedoch meist nach kurzer Zeit wieder verschwand. 

Lawinenunfälle: Die meisten Opfer in der Schweiz

In der Wintersaison 2017/2018 ereigneten sich in den Bergregionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz insgesamt 46 tödliche Lawinenunfälle.

In den Schweizer Alpen liegt die Gesamtopferzahl im Winter 2017/2018 deutlich über dem Durchschnitt. So starben dort bis Ende April 26 Personen bei Lawinenunfällen. Bei den Lawinenopfern handelte es sich ausschließlich um Wintersportler, davon 18 Tourengeher, sieben Variantenfahrer, eine Person wurde auf einem geöffneten Winterwanderweg von einer Lawine erfasst. In der Schweiz wurde im vergangenen Winter auch seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder die höchste Lawinenwarnstufe 5 an 1,5 Tagen ausgerufen. Mehrere Orte waren dort auch zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten

In den österreichischen Alpen sind im Winter 2017/2018 insgesamt 17 Personen durch Lawinen ums Leben gekommen. Damit liegt die Zahl der Lawinenopfer des vergangenen Winters sowohl unter dem langjährigen Schnitt von 25, als auch unter der Zahl der letztjährigen Saison (22 Opfer). Von den 17 Lawinenopfern der zurückliegenden Saison gerieten acht bei Skitouren und sieben beim Variantenfahren in Lawinen. Je ein Opfer gab es beim Eisklettern und im Straßenverkehr (Güterweg).

Nach Aussage der Lawinenwarnzentrale Bayern gab es in diesem Winter drei Lawinentote in Bayern (ein Winterwanderer, zwei Skitourengeher). In der Vorsaison hatte es keine Lawinenunfälle mit Todesfolge gegeben.

Trotz der immer größer werdenden Zahl von Ski- und Schneeschuhtourengehern und Variantenfahrern bleibt die Zahl der bei Lawinenunfällen ums Leben gekommenen Personen damit stabil auf dem Niveau des langjährigen Durchschnitts. Grund dafür könnte der immer besser werdende und leichter abzurufende Wetter- und Lawinenlagebericht sein. Auch die jahrelange Aufklärungs- und Präventionsarbeit sowie vielfältige Ausbildungsangebote zeigen scheinbar Wirkung

Temperatur: Wärmer als üblich

Im Winter 2017/18 lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland mit 1,6 Grad Celsius um 1,4 Grad über dem international gültigen Referenzwert der Periode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung +0,7 Grad. Die häufig starke Bewölkung ließ im Dezember und Januar nur wenig Frost zu. Der Februar brachte dagegen zahlreiche klare Nächte. Am tiefsten sank das Quecksilber mit gemessenen -20,3 Grad am 14. Februar in Oberstdorf. Ende Februar folgte in ganz Deutschland nochmals Dauerfrost und verbreitet zweistellige Minusgrade.

In den hochalpinen Lagen Österreichs war der Januar mit einer Abweichung zum klimatologischen Mittel von +2,0 Grad deutlich zu warm, im Dezember war es hier jedoch um 1,2 Grad kälter als im Mittel. Auf den Bergen gehört der Februar 2018 mit einer Abweichung von -3,9 Grad sogar zu einem der kältesten der vergangenen 32 Jahre.

In der Schweiz bewegte sich die Wintertemperatur 2017/18 im landesweiten Mittel im Bereich der Norm (1981-2010). In Berglagen oberhalb von 1000 m blieb sie 0,9 Grad unter der Norm. In den tieferen Lagen der Alpennordseite lag die Wintertemperatur 0,6 Grad über der Norm. Auf der Alpensüdseite bewegte sich die Wintertemperatur in den Tieflagen im Bereich der Norm.

Sonnenschein: Viele trübe Tage

In Österreich war der Winter 2017/18 insgesamt eher trüb und es gab wenig direkten Sonnenschein. Die Sonnscheindauer lag österreichweit um 15 Prozent unter dem vieljährigen Mittel. Dem klimatologischen Mittel entsprechend lange zeigte sich die Sonne dagegen entlang des Alpenhauptkammes von den Ötztaler Alpen bis zu den Hohen Tauern.

In der Schweiz lag die Sonnenscheindauer in den meisten Gebieten unter dem Durchschnitt. Auf der Alpensüdseite und im Engadin gab es meist Werte zwischen 85 und 95 Prozent der Norm (1981-2010), in den übrigen Gebieten erreichte die winterliche Sonnenscheindauer verbreitet 60 bis 85 Prozent der Norm.

Im Winter 2017/2018 wurden im bundesweiten Durchschnitt 170 Sonnenstunden gezählt. Während der Dezember und der Januar insgesamt sehr trüb verlaufen waren, erlebten die Menschen in Deutschland einen ungewöhnlich sonnigen Februar. Dadurch wurde das Soll von 154 Stunden am Ende noch übertroffen.

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