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Pitztal: Tiroler Gletscherehe scheitert an Volksbefragung

Auf Skiern stand ich schon als Kind und kann es seitdem jeden Winter aufs Neue kaum erwarten wieder auf die Piste zu kommen. Deshalb ist es umso schöner, dass ich nach meinem Studium in Medien und Kommunikation einen Job als Redakteurin bei Skigebiete-Test gefunden habe, in dem sich alles um mein Lieblings-Hobby dreht. Wenn ihr Fragen zu mir oder rund um das größte Wintersportportal... Mehr erfahren
aktualisiert am Jul 29, 2022

Es ist das Aus für den geplanten Zusammenschluss der Ötztaler und Pitztaler Gletscherskigebiete: Nachdem bei einer Volksbefragung in den Pitztaler Gemeinden Mitte Juli die Mehrheit gegen die Tiroler „Gletscherehe“ stimmte, ziehen die Pitztaler Gletscherbahnen nun die Reißleine für das Megaprojekt. Die Entscheidung fiel denkbar knapp aus. Am Ende scheiterte die Fusion an fünf Stimmen. Deshalb will sich St. Leonhards Bürgermeister noch nicht geschlagen geben.

Das Projekt: Skigebietsverbindung Ötztal-Pitztal

Geplant war die Gletscherskigebiete von Pitztal und Sölden zu verbinden.
© OpenStreetMap Geplant war die Gletscherskigebiete von Pitztal und Sölden zu verbinden.

Es war ein Projekt der Superlative: Für 130 Millionen Euro sollten drei neue Seilbahnen und rund 60 Hektar zusätzliche Pistenfläche die Gletscherskigebiete im Pitztal und Ötztal verbinden und somit eine Skischaukel von Sölden bis zum Pitztaler Gletscher ermöglichen. Die Planungen für den als Tiroler Gletscherehe bekannten Zusammenschluss liefen bereits seit 2016.

Das Projekt sorgte von Anfang an für Kontroversen. Befürworter sehen die Verbindung vor allem im hinteren Pitztal als große Chance für die Zukunft des Wintertourismus. Umweltschützer kritisieren hingegen die massiven Eingriffe in die hochalpine Landschaft. Erst im April wurde der Tiroler Landesregierung eine Petition mit 168.000 Unterschriften gegen die „Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal“ übergeben (wir berichteten).

In den letzten Jahren lag das Projekt auf Eis. Während man im Ötztal fest von der Gletscherverbindung überzeugt war, zögerten die Pitztaler Gletscherbahnen noch und hatten um Aufschub beim Umweltverträglichkeits-Verfahren gebeten. Wie es mit dem Zusammenschluss weitergehe, sollte nun eine Volksbefragung im Pitztal entscheiden.

Knappe Mehrheit stimmt gegen den Zusammenschluss

Die Abstimmung fand am 17. Juli 2022 in den Pitztaler Ortsteilen St. Leonhard, Plangeross und Zaunhof statt, also nur wenige Tage nach der Eröffnung des neuen Gletscherexpress. Von den knapp 1.200 Stimmberechtigten nahmen rund 700 Personen an der Volksbefragung teil. Auf die Frage „Soll der Skigebiet-Zusammenschluss Pitztal-Ötztal gebaut werden?“, stimmten am Ende 348 dafür und 353 dagegen. Damit sprach sich eine knappe Mehrheit von 50,4 Prozent gegen das Projekt aus.

St. Leonhards Bürgermeister Elmar Haid gibt die Hoffnung allerdings noch nicht auf. Für ihn sei das Ergebnis zu knapp, um von einer Mehrheit sprechen zu können. Er verweist auf den noch gültigen Gemeinderatsbeschluss vom Mai, der einstimmig zugunsten des Zusammenschlusses ausfiel. Man müsse nun im Gemeinderat klären, wie es weitergeht.

Pitztaler Gletscherbahnen wollen Projekt nicht weiterverfolgen

Anders sieht das jedoch der eigentliche Projektbetreiber, die Pitztaler Gletscherbahnen. In einer Stellungnahme im Anschluss an die Abstimmung betonten diese, dass für den Zusammenschluss mit dem Ötztaler Gletscher von Anfang an die Zustimmung der Standortgemeinde Voraussetzung gewesen sei. Aus dem Ergebnis der Volksbefragung zogen die Bergbahnen deshalb den Schluss, von dem Megaprojekt zurückzutreten. „Für uns steht fest, dass wird das seit 2016 geplante und mittlerweile stillgelegte Projekt Zusammenschluss Pitztal-Ötztal nicht mehr weiterverfolgen werden.“

Bei den Projektpartnern auf Ötztaler Seite zeigt man sich enttäuscht von der Entscheidung. Für Jakob Falkner, Geschäftsführer der Söldener Bergbahnen, sei das Projekt eine große Zukunftschance für die junge Generation gewesen.

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