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Liftbetreiber nach Saison-Aus in Italien: „Verluste sind gravierend“

Auf Skiern stand ich schon als Kind und kann es seitdem jeden Winter aufs Neue kaum erwarten wieder auf die Piste zu kommen. Deshalb ist es umso schöner, dass ich nach meinem Studium in Medien und Kommunikation einen Job als Redakteurin bei Skigebiete-Test gefunden habe, in dem sich alles um mein Lieblings-Hobby dreht. Wenn ihr Fragen zu mir oder rund um das größte Wintersportportal... Mehr erfahren
aktualisiert am Mar 10, 2021

Immer wieder wurde die Öffnung der Skigebiete in Italien verschoben und teilweise erst im letzten Moment abgesagt. Inzwischen steht fest: Die Lifte in Italien bleiben noch bis mindestens 6. April 2021 geschlossen. Für die meisten Skigebiete bedeutet dieser Entschluss der Regierung das endgültige Aus für die Skisaison. Wir haben im Südtiroler Skigebiet Schöneben-Haideralm nachgefragt, wie sie die Wintersaison erlebt haben und welche Auswirkungen die ausgefallene Skisaison auf die Region hat.

Kein einziger Skitag

Es war ein Winter zwischen Hoffen und Resignation in Italien. Immer wieder wurden Öffnungstermine angekündigt, die aufgrund der hohen Infektionszahlen dann aber kurz vor dem Start wieder gekippt wurden (wir berichteten). Auch der Saisonstart Anfang März wurde erneut von der Regierung verschoben. Die Lifte in Italien können nun frühestens nach Ostern, am 6. April 2021 wieder öffnen. Das ist dann aber nur noch in wenigen hochgelegenen Skigebieten möglich.

Wir wollten wissen, was die ausgefallene Skisaison für die Liftbetreiber und Skiregionen bedeutet, wie sie mit dem ständigen Auf und Ab zwischen Lockdown und Lockerungen umgegangen sind und wie es jetzt weiter geht. Darum haben wir mit Geschäftsführer Helmut Thurner vom Skigebiet Schöneben-Haideralm gesprochen. Das Skigebiet am Reschenpass, nahe dem Dreiländereck zwischen Südtirol, Tirol und dem Engadin hatte im Winter 2020/2021 keinen einzigen Skitag. Aktuell liegen dort noch immer 150cm Schnee am Berg und 60cm im Tal.

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„Wir sind natürlich enttäuscht"

Kein Skibetrieb bis Ostern in Italien. War‘s das für die Skisaison in Südtirol? Wie ist aktuell die Stimmung bei euch in Schöneben?

Thurner: „Ja, die Skisaison scheint in Südtirol gelaufen zu sein, mit vielleicht ein paar Ausnahmen. Wir in Schöneben sind natürlich enttäuscht, dass wir keine Wintersaison hatten, respektieren allerdings die Entscheidungen."


Bereits vor der Saison wurden umfangreiche Hygienekonzepte für den Skibetrieb erarbeitet, die immer wieder an die neuen Vorgaben angepasst wurden. Wie aufwendig war die Entwicklung dieser Maßnahmen und wie viel wurde in deren Umsetzung investiert?

Thurner: „Es wurde sehr viel in die Umsetzung der Vorsichtsmaßnahmen investiert, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in arbeitstechnischer Hinsicht."

Keine einheitlichen Regelungen

Schöneben liegt am Reschenpass, nahe dem Dreiländereck zwischen Südtirol, Österreich und Schweiz.
© IDM Südtirol/Benjamin Pfitscher Schöneben liegt am Reschenpass, nahe dem Dreiländereck zwischen Südtirol, Österreich und Schweiz.

Die Entscheidungen der Regierung, die Öffnung der Skigebiete wieder und wieder zu verschieben, fielen häufig sehr kurzfristig. Welche Auswirkungen hatte das auf die Planung und Vorbereitungen im Skigebiet?

Thurner: „Nicht nur die Skigebiete hatten Schwierigkeiten in der Planung und Vorbereitung. Die gesamte Touristikbranche hatte damit zu kämpfen. Schwer getroffen hat es vor allem auch das Personal, das um seine Arbeitsplätze gebracht wurde."


Könnt ihr die Entscheidung der Regierung, die Skigebiete geschlossen zu halten, nachvollziehen oder wäre eine Öffnung eurer Meinung nach trotz Infektionsgeschehen möglich gewesen?

Thurner: „Es liegt nicht in unserem Ermessen dies zu bewerten. Allerdings ist es für uns im Grenzgebiet schwer nachzuvollziehen, dass in den naheliegenden Skigebieten in Österreich und der Schweiz ein Skibetrieb möglich war. Es ist verwunderlich, dass es keine einheitlichen Regelungen gab."


Was hättet ihr euch von den Regierungen in Südtirol und Rom gewünscht?

Thurner: „Wir denken, dass es den Entscheidungsträgern sicherlich nicht leicht gefallen ist, ständig neue Maßnahmen zu ergreifen, abändern, verschärfen etc. Es gibt einfach keine Erfahrungswerte über diese Pandemie und wir sind froh, dass nicht wir die Entscheidungen treffen müssen."

Wirtschaftliche und emotionale Herausforderung

Wie hoch sind die Verluste durch den Komplettausfall der Wintersaison in Schöneben?

Thurner: „Die Verluste sind auf jeden Fall gravierend. Die Vorbereitungen und die Beschneiung wurden ja zur Gänze durchgeführt."


Gibt es Unterstützung und wirtschaftliche Hilfen von der Regierung? Habt ihr diese bereits erhalten?

Thurner: „Wir hoffen auf wirtschaftliche Hilfen um den Schaden einigermaßen in Grenzen zu halten. Hierzu gibt es noch keine konkreten Zahlen bzw. Zusagen."


Was war rückblickend die größte Herausforderung in diesem Winter?

Thurner: „Zum einen ist es eine wirtschaftliche Herausforderung, zum anderen aber auch eine emotionale Geschichte. Wie schon gesagt, tut es uns um die vielen Arbeitsplätze leid. In unserer Region leben sehr viele Menschen vom Wintertourismus und wir sehen uns verpflichtet ihnen Arbeit und Wohlbefinden zu geben. Dies war leider nicht möglich."

Perspektiven für die Zukunft

In Schöneben hofft man jetzt auf eine schnelle Besserung der Situation.
zur Webcam   © Schöneben AG In Schöneben hofft man jetzt auf eine schnelle Besserung der Situation.

Wie geht es jetzt weiter? Wie bereitet ihr euch auf den Sommer und die nächste Wintersaison vor?

Thurner: „Wir hoffen schnellstmöglich auf Normalität. Hoffen, dass die Situation sich schnellstmöglich bessert und wir die Sommersaison pünktlich starten können."


Gibt es auch etwas Positives, das ihr aus der Corona-Krise mitnehmen könnt? Ergeben sich vielleicht sogar neue Chancen?

Thurner: „Es ergeben sich immer Chancen, nach jeder Krise. Es nützt auch nichts den Kopf in den Sand zu stecken. Wir möchten einfach weiterhin den Touristikern Perspektiven aufzeigen, der einheimischen Bevölkerung eine Arbeit geben und für unsere Gäste weiterhin da sein und ihnen vergnügliches Skifahren gewähren."


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