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Ein Skigebiet ohne Lifte? In Colorado wurde es getestet

Als Redakteurin bei Skigebiete-Test habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht: Seit September 2016 bin ich leitend für den Content auf Deutschlands größtem Wintersportportal zuständig. Die Berge faszinieren mich seit jeher und auf Skiern stand ich zum ersten Mal im Kindergarten. Absolut infiziert bin ich auch mit dem Weltcup-Virus und verpasse im Winter nur selten Rennen im TV.... Mehr erfahren

aktualisiert am Mar 25, 2020

Seit 15 Jahren wurde in Colorado kein neues Skigebiet eröffnet. In diesem Winter gab es eines und das sogar ohne Lifte. Das Bluebird Backcountry nahe der Kleinstadt Kremmling hatte zwischen 15. Februar und 15. März für eine einmonatige Testsaison seine Tore geöffnet. Tourengeher und Freerider aller Könnerstufen konnten sich in unberührter Natur auf 600 Hektar austoben. Ein exklusives Erlebnis: Maximal 300 Personen durften pro Tag ins Skigebiet. Stolze 50 Dollar kostete die Tageskarte.

Skiverleih, Hütten und Skischule

120 lawinensichere Hektar können alleine erkundet werden. Weitere 480 Hektar mit einem Guide.
© Bluebird Backcountry 120 lawinensichere Hektar können alleine erkundet werden. Weitere 480 Hektar mit einem Guide.

Drei Jahre lang wurde das Konzept in verschiedenen Regionen Colorados getestet. Mitte Februar eröffnete das Skigebiet dann für eine einmonatige Testsaison am 3083 Meter hohen Whiteley Peak. Zwar musste man auf Sessellifte, Schlepper und Gondeln verzichten, dafür wurde an weiterem Komfort nicht gespart. So wurden unter anderem eine Skischule, Hütten mit Snacks und Getränken sowie Verleihstationen fürs Equipment eingerichtet. Auch eine Skiwacht war vor Ort und es wurden neben Fellspuren zum Aufstieg zu Fuß auch LVS-Trainings angeboten.

Das Gelände auf der Peak Ranch wurde zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 120 Hektar des Skigebiets waren lawinensicher und konnten auf eigene Faust befahren werden, weitere 480 Hektar standen zur Erkundung mit einem erfahrenen Guide offen. Die Gäste hatten die Wahl zwischen weitem offenen Gelände, das sich auch gut für Anfänger eignet, und höchst anspruchsvollem, mit dichtem Gebüsch durchzogenen Terrain. 

Unberührte Natur intensiver erleben

Dieses umfassende Angebot zum Backcountry-Skiing für alle Könnerstufen ist in dieser Art ohne Lifte bisher einmalig. Zwar gibt es in Nordamerika viele Skigebiete mit Freeridebereichen, allerdings werden diese durch Lifte, Snowcats oder Helikopter erschlossen. Dazu gehört zum Beispiel auch der extrem steile Silverton Mountain in Colorado. Der höchste befahrbare Berg Nordamerikas reicht bis auf über 4111 Meter und  bringt erfahrene Wintersportler mit einem Sessellift zu einem reinen Freeride-Terrain.

Darauf hat man im Bluebird Backcountry bewusst verzichtet, um die unberührte Natur noch intensiver zu erleben und unter anderem auch Wildtiere beobachten zu können. Und das Angebot in der kurzen Testsaison wurde durchaus gut angenommen, wie auf der Facebook-Seite des Skigebiets zu lesen ist.

Ob sich die Betreiber für eine Weiterführung in der nächsten Saison 2020/2021 entscheiden, steht zwar noch nicht fest. Fix ist aber, dass man dann von Dezember bis April öffnen will. Wobei auch dann nur maximal 300 Tickets pro Tag ausgegeben werden sollen. 

In den Alpen nicht finanzierbar

Wäre ein derartiges Projekt auch in Europa erfolgreich? Sehr wahrscheinlich nicht. Zwar gibt es auch bei uns viele Tourengeher und Freerider, die sich über ein derartiges Angebot mit Skischule, Hütten und Verleih freuen würden. Jedoch ist der Anteil dieser Gruppe relativ klein. Der Großteil der Wintersportler hält sich bei uns auf den präparierten Pisten auf und will mit Liften zum Start der Abfahrten befördert werden. In Nordamerika liebt man Backcountry-Skiing und steht bei Neuschnee schonmal ab 6 Uhr morgens in der Liftschlange, um als Erster den Powder genießen zu können. Hinzu kommt, dass Tourengeher in Europa eigentlich nichts für das Bergerlebnis zahlen wollen, da sie ja keine Lifte nutzen. Das macht eine wirtschaftliche Umsetzung – auch in Zeiten des Klimawandels – unmöglich.

Wie ist eure Meinung zum Thema: Lässt sich in den Alpen ein gut ausgestattetes Skigebiet ohne Lifte nur für Tourengeher und Freerider umsetzen? Schreibt die Antworten unten in die Kommentare oder mach mit bei unserer Umfrage:. 

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Jürgenvor 3 Monaten
So ein Quatsch. Hier würde zu recht keiner 50€ fürs selbst hochlatschen zahlen. Ich brauche auch keine Gebiete in denen man vorher die Lawinen wegsprengt. Wenn es gefährlich ist, geht man eben...
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